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Schall- und Blendschutz mit Gegenzuganlagen

Horizontale Gegenzuganlagen für Blend - und Schallschutz im Dachtragwerk des glasüberdachten Lichthofes der Allianz Repräsentanz.

 

Bauherr      : Allianz SE

Architekt    : Jensen + Winkler Architekten, Berlin

Ausführung: Januar 2012

 

Ansicht Pariser Platz Nr 6 mit Brandenburger Tor         Bildnachweis: M. Brückels,  Wikipedia

Die innere Rotunde des Gebäudes, über deren Glasdach sowohl die an der Binnenfassade angeordneten Büros belichtet werden und die als vielfältig genutzter Veranstaltungsraum dient, sollte im Zuge verschiedener Umbauten mit einem horizontalen Sonnenschutz versehen werden, der auch für die Raumakustik wirksam ist.

 

 

Entwicklung von Auswahlkriterien für die Behangstoffe

 

Bei der Stoffauswahl für den Blendschutz sollte auch ein merklicher schalldämpfender Effekt erziehlt werden, da bei  Veranstaltungen die Nachhallzeiten aufgrund der harten und homogenen Oberflächen vorn Dach und Wänden sich negativ auf die Akustik des Raumes auswirken.

Die vorwiegende Nutzung des Raumes für Veranstaltungen mit einem hohen Anteil an Sprachbeiträgen  führt zu einer Spezifizierung der angestrebten Verbesserungen der Akustik.

Die Informationsvermittlung durch Sprache wird dominiert von Konsonanten, die in einem Frequenzband ab 1000Hz angesiedelt sind.

 

 

Der bewertete Schallabsorptionsgrad alpha w sollte daher mit dem Buchstaben H (high = 2000 u. 4000Hz auf der Bewertungskurve) versehen sein.

Angestrebt wir ein Behang, der den Absorptionsklassen C oder D zuzuordnen ist.

 

 

 

Der Behangstoff sollte so ausgewählt werden, dass er sowohl den Anforderungen des baulichen Brandschutzes genügt als auch eine Verbesserung der Raumakustik ermöglicht.

Als A2 Materialien stehen silikonbeschichte Glasfilamentstoffe als Screengewebe zur Verfügung, deren Schallabsorptionswerte bei einem apha- w Wert von 0,50 liegen.

Durch die Reduzierung der Brandschutzanforderungen auf die Einstufung B1 erweitert sich die Auswahl an Geweben stark. Hier weisen die PVC ummantelten Glasfasergewebe allerdings wesentlich geringere alpha-w Wert auf,  die zwischen 0,15 - 0,34  liegen,  was zu Schallreflexionswerten von 66 - 85% führt und nur zu marginal wahrnehmbare Verbesserungen führen würde.

Gewählt wurde schließlich ein screenartiger Stoff aus Trevira CS mit der Klassifizierung B1 nach  DIN 4102 und einem Gewicht von 270g/m², der neben einem alpha W-Wert von 0,60(H) auch über die geforderten Blendschutzeigenschaften verfügt.

Die Fa. solarmatic bietet hier eine Kollektion von verschiedenen Stoffen an, die schalltechnisch wirksam werden können.                                                                                                                                                           www.solarmatic.de

 

Dabei muss eine Auswahl getroffen werden zwischen klassischen Rollosbehängen und Textilien, die für die Zugbelastungen bei Gegenzuganlagen geeignet sind

 

 

 

Die Messungen auf den Datenblatt zeigen, dass insbesondere in den höheren Frequenzbereichen hohe alpha-Werte erzielt werden. Der alpha-w  Wert des für Gegenzuganlagen geeigneten Gewebes liegt bei 0.60(H)

Im NRC-Wert wird eine verfeinerte Messung der Terzwerte alpha-s zugrunde gelegt, der SAA Wert stellt den arithmetischen Mittelwert einer noch größere Anzahl Messwerte zwischen 200- 2500Hz dar.

 

 

Technische Planung und Ausführung der Gegenzuganlagen

 

Die Anlagen sollten als möglichst filigrane Konstruktionen in das Tragwerk der aus kreuzweise unterspannten Rohrprofilen bestehenden flachen Kuppel von 29,00m Durchmesser eingefügt werden.

 

 

 

Auf dem Foto ist das Tragwerk mit darunter eingehängten provisorischen Akustiktüchern zu sehen.

Diese waren zu ersetzen durch insgesamt 16 Gegenzuganlagen als 1-Wellen Systeme mit  Führungseilen mit Ausfallweiten bis 11,00m. Je 8 Anlagen wurden gegenüberliegend in den Nulllinien der ellipsenförmigen Unterspannung auf Klemmkonsolen eingebaut.

Bereits in der Angebotsphase wurden dem Architekten mögliche Lösungen für die von ihm planerisch vorgesehene Anordnung der Anlagen vorgestellt.

 

 

 

Daraus konnten die wesentlichen gestalterischen und technischen Prinzipien zur Ausführung gemeinsam entwickelt werden.

 

An den jeweils äußeren Bindern sind die Wellen mit ihren Haltern an Klemmschellen  befestigt,  die über gelenkig gelagerte Halterkonsolen auf die unterschiedlichen Steigungen der Obergurte  vor Ort abgestimmt werden konnten,  um so die exakte horizontale Lage der Gegenzuganlagen sicher zu stellen.

 

 

 

 

Die darunter liegende Lagerschale sichert die Welle gegen Absturz im Falle einer Havarie.

 

Die Anlagen fahren bis zur Kuppelmitte. Dort angeordente Zug- und Spannseilports bilden die Verbindungsknoten für beide Seiten.

 

 

 

 

 

Aufgrund der minimierten Konstruktionselemete wird die optische Wirkung des Kuppeltragwerkes auch im eingefahrenen Zustand der Tücher nicht beeinträchtigt.

 

 

 

 

Durch den weitgehenden Verzicht auf Stützrollen bilden die Behänge leichte Bauchungen, die sich zusätzlich positiv auf die akustische Qualität der Gesamtanlagen auswirken.

Aufgrund des dicht besetzten Veranstaltungskalenders der Rotunde mussten alle Planungs- und Montagearbeiten ab Beauftragung  innerhalb von 4 Arbeitswochen zwischen Mitte  Dezember 2011 bis zur 2. Hälfte Januar 2012 abgeschlossen werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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